Nach meinem Lobgesang über Horizon Zero Dawn wird kaum einer überrascht sein, dass ich den DLC „The Frozen Wilds“ bei der ersten, sich bietenden Gelegenheit spielen musste. Und natürlich bin ich wieder hin und weg – allerdings nicht uneingeschränkt – und das wiederum dürfte durchaus einige überraschen – mich eingeschlossen.

Was ist passiert? Nun, da die Story vom aktuell gespielten Assassins Creed Origins nicht so recht in Fahrt kommt, nahm ich dankbar den Ausflug in die ungebändigten Wintergebiete von Horizon an.  Nach 18 Stunden in Schneestürmen und Lavahöhlen waren dann – abgesehen von einigen Sammelaufgaben – alle Herausforderungen des neuen Gebietes gemeistert und ich konnte auf neue epische Waffen, Outfits und unglaubliche Maschinenkills stolz sein.

Grafisch und storytechnisch liegt  der DLC locker auf dem Niveau des Hauptspiels. Die Zone ist für ein Schneegebiet erstaunlich abwechslungsreich und die Quests haben Tiefgang und Sinn. Grandios und absolut empfehlenswert.
Der DLC geht handlungstechnisch detailliert auf die Lebensweise und Geschichte der Nanuk ein, die ja im Hauptspiel etwas zu kurz gekommen sind. Das in Kombination mit einer – von der Haupthandlung abgekoppelten aber dennoch passenden und spannend erzählten Geschichte aus der Welt der großen Alten.
Alles sehr schön präsentiert und wieder glaubwürdig inszeniert.

Aber es gibt ein Aber – das allerdings zum einen eine absolut persönliche Präferenz ist und zum anderen nur durch den Maßstab, den das Hauptspiel setzt, überhaupt erst auffällt.

Zum einen der Schwierigkeitsgrad. Machen wir es kurz: der ist zu hoch. Ja, werden jetzt einige sagen, Atenzas ist ein Noob und hat keinerlei Skill. Das mag durchaus so sein und habe ich auch grundsätzlich kein Problem damit, dass etwas schwieriger ist. Wenn es aber – wie in Horizon –  die Möglichkeit gibt, den Schwierigkeitsgrad selbst zu wählen und ich „einfach“ auswähle, dann sollte es auch einfach sein. Und das bedeutet nicht, dass nur der Gegner weniger Schaden macht, weniger Lebenspunkte hat und/oder ich selbst mehr einstecken kann.  „Einfach“ bedeutet, dass die Spielmechanik Fehler des Spielers (z.B.  schlechtes Timing) leichter verzeiht.  The Frozen Wilds stellt dem Spieler nicht nur beinharte Gegner gegenüber, sondern immer gleich mehrere davon. Das führt z.B. dazu, dass wenn man das erste Ausweichen verpasst, jeder der Gegner nacheinander seinen Angriff durchbringt, weil man bereits getroffen wird während man noch aufsteht – in diesem Fall also nichts tun kann. Da solche Situation durchaus häufiger vorkommen, kann es schnell zu leichten Frustanzeichen kommen.

Die zweite Auffälligkeit betrifft die technische Umsetzung der offenen Welt. Im Hauptspiel konnte man jede Stelle aus jeder Richtung erreichen – vorausgesetzt Aloys Bewegungsmöglichkeiten ließen das zu. Lediglich das Verlassen der Spielwelt führte zu einer Meldung, dass man auf den letzten Speicherpunkt zurückgesetzt wird, wenn man weiter geht.
In den Frozen Wilds konnte ich mehrfach aufgrund imaginärer Wände bestimmte Stellen nicht erreichen, obwohl es spielmechanisch – also hinsichtlich Landschaftsgestaltung und Sprunghöhe  etc. – eigentlich hätte gehen müssen. Stattdessen weist Aloy in Selbstgesprächen dezent darauf hin, dass man hier wahrscheinlich falsch ist und lieber einen anderen Weg zu nehmen sollte, während das Spiel selbst mit einer wenig kreativen Variante von „Du kommst hier nicht rein“ als Textmeldung glänzt. Das ist nach dem Erlebnis des Hauptspiels eine ziemlich peinliche Nummer.

Nichts desto trotz ist „The Frozen Wilds“ eine phantastische Ergänzung zu Horizon Zero Dawn und jeder, der am Hauptspiel Spaß hatte, wird sich auch im DLC wiederfinden.
Grandios sind auch einige Fähigkeiten der Gegner. Die Bären (ja, Bären – das ist kein Spoiler weil es eh schon jeder weiß – oder vielleicht doch, weil es zwei verschiedene Varianten sind…) haben einige Moves drauf die stark an Wrestling erinnern. So springen sie a la Flying Elbow Drop aus großer Entfernung um sich dann in der Luft zu drehen und mit Schulter/Rücken auf Aloy zu landen (bzw. danach über die hinweg zu rollen).  Macho Man Randy Savage wäre gerührt. Oder sie nehmen ein Objekt aus der Landschaft (Trümmer oder Felsen aus dem Boden) und halten es als Schild vor sich um es danach auf Aloy zu schleudern.
Die andere neue Art – die Versenger – sind einfach nur unfassbar lästig und anstrengend.
Die neuen Waffen und insbesondere deren Aufwertung zu epischer Qualität erhält man über Quests – was durchaus gleich eine gewisse Bindung entstehen lässt. Ernüchternd – wenn nicht schockierend – ist allerdings der Ressourcenverbrauch beim Herstellen der entsprechenden Munition. Das räumt ordentlich die Taschen leer.

Fazit: Trotz meiner persönlichen kleinen Kritikpunkte ist „The Frozen Wilds“ eine hervorragende Erweiterung eines phantastischen Spiels und ergänzt Horizon Zero Dawn um wertvolle Storyelemente, Skills und Assets.  Das muss man auf jeden Fall gespielt haben.

Laut Gaming-Szene-Hintergrundrauschen wird es leider keinen weiteren DLC zu Horizon geben. Aber dafür irgendwann einen zweiten Teil. Ich freue mich drauf.